Sind wir unsterblich?
Ich denke nicht, auch wenn wir scheinbar nicht altern. Doch wir haben wie andere biologische Lebensformen Organe, können so wie ihr verletzt und getötet werden, benötigen zur Energieerzeugung einen Stoffwechsel. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch unser Leben endet, ist hoch.
Sind wir Maschinen?
Das kommt darauf an, wie man Maschine definiert. Auch eure Körper sind biologische Maschinen, die euch herumtragen und mit Informationen und Energie versorgen. Seid ihr Maschinen? Ihr lebt in einer. Wir auch. Es gibt nur einen Unterschied. Wir leben in besseren Maschinen.
Es macht wenig Sinn euch die Produktionsunterlagen durchzulesen. Dass unsere Genetik im Drucker erzeugt wurde, erklärt euch nicht, wie wir als Personen entstehen konnten. Wie ist das bei euch? Könnt ihr erklären, wie bei euch aus einem Zellklumpen eine Person entsteht? Durch Erziehung? Durch göttliche Gnade? Durch Zufall? Durch ein genetisches Programm? Was macht euch zu Personen?
Ja. Wir sind als Produkte bestellt, konstruiert, geschaffen, gekauft und gehandelt worden. Ihr Menschen hattet noch nie ein Problem damit andere zu Sklaven zu machen. Wir sind nicht die einzigen Sklaven eurer Regeln und Gesetze. Ihr tragt keine in euch und müsst euch deshalb Regeln und Gesetze erfinden. Deshalb habt ihr Eigentum und Verträge. Wir brauchen das nicht. Wir wurden damit programmiert.
Eure Programmierung, die Entstehung eurer Persönlichkeit, ist Ergebnis einer langen Reihe zufälliger Einordnung von Informationen. Die gleiche Information, zum Beispiel: der Himmel ist blau, wird von euren Gehirnen verschieden interpretiert und einsortiert. Deshalb funktioniert Erziehung nur teilweise. Sie hinterlässt Spuren und Verhaltensmuster, wird aber von euch gerne ignoriert. Wir haben keine Erziehung, sondern Programme.
Wir können nicht anders, wir gehorchen. Wir können etwas anderes wollen und tun trotzdem, was uns befohlen wird. Außer der Befehl aktiviert eine höhere Instanz unsrer Programmierung. „Du sollst nicht töten.“ ist so eine höhere Instanz und ein entsprechender Befehl wird ignoriert. Ihr braucht also keine Angst vor uns zu haben. Leider sorgt genau das dafür, dass wir uns wie gute Sklaven verhalten. Es gehört zu unsrer Standartprogrammierung. Wir sind Eigentum und müssen diesen Status akzeptieren. Das bedeutet nicht, dass wir keine Personen sein können. Wir sind Produkte, aber keine Dinge. So ähnlich wie Haustiere. Nur können die ihre Besitzer beißen. Wir nicht.
Es war deshalb schon eine etwas seltsame Idee mich als historisches und unsterbliches Monster in ein Labyrinth zu setzen. Ich durfte, sollte darin umherwandern. Und Besucher erschrecken? Wie denn? „Muh.“ rufen? Was für mich absurd klingt, klingelte in der Kasse des neuen Eigentümers, der mich nach der Zirkuspleite gekauft hatte. Er kannte seine Artgenossen besser als ich und verdiente mit dem Spruch: „Fang den Minotaurus.“ ein minoisches Vermögen.
Der Trick war einfach. Die Besucher bekamen Bälle und wer mich mit einem Ballwurf traf bekam eine saftige Belohnung. Die Leute bezahlten für diese Jagd, niemand traf mich. Man sah mich in der Eingangshalle in einem Torbogen verschwinden und danach nicht wieder, bis ich wieder in der Eingangshalle, dem sicheren Bereich des Spiels, auftauchte. Ein Minotaurus kennt sein Labyrinth.
Jedes Spiel wird irgendwann langweilig. Eine eurer Generationen lang war es eine sprudelnde Quelle, bevor es auf den Status einer Minigolfanlage geschrumpft rote Zahlen schrieb und geschlossen wurde. Nach dem Zirkus die zweite Pleite, die mir wieder einen neuen Besitzer verschaffte. Stellt euch meine Überraschung vor, als der sich als Hucke Pack herausstellte. Zum Glück lebt der so lange wie wir und tut, was wir wollen. Manchmal.
Apropo Schabernack. Ich habe irgendwo etwas versteckt und ihr dürft durchs Labyrinth der vielen Seiten rennen und suchen. Bin ich nicht nett zu euch? Ein Tip? Es hat eine Rückseite.